Elfentanzplatz

Gedichte von Zwergen, Elfen, Gnomen

und allerlei Naturgeistern





Elfentritte

 

Kleine Schritte –

Elfentritte!

Leider nur das leise Klopfen

dicker Tau- und Nebeltropfen.

Denn die Elfen, diese Kleinen,

huschen fort auf Zauberbeinen.

Kaum entdeckt,

sind sie verschreckt.

Nur eine hab ich noch gesehen -

nebelgleich im Wind verwehen.

Zauberelfchen, lebst du hier?

Bitte, bitte, zeig dich mir!

 

 1.12.2019




 


Für Pharen

 

Die weiße Frau vom Berwartstein

 

Schaust du des Nachts durch seine Fenster,

so schaudert es dich manches Mal.

Da geistern bleiche Nachtgespenster.

Der Mond verkriecht sich blass und fahl.

 

Ein Käuzchen ruft. Ein Vorhang weht.

Die weiße Frau schwebt um den Turm.

Doch so ein Pech: Die Turmuhr steht!

Nichts schlägt die Zeit. Es jault der Sturm.

 

Die weiße Frau schwebt durch den Flur.

Dort scheint die Sonne hell und klar!

Bei Licht wird sie zur Steinfigur,

noch immer weiß, mit weißem Haar.

 

Ob das wohl deine Oma war?

 

1.9.2019





Am Zwergenschloss

 

Es murmelt ganz leis

im einsamen Wald.

Jetzt riecht es nach Schweiß.

Erstaunt mach ich halt.

 

Da redet doch wer!

Erstarre vor Schreck,

schau suchend umher.

Vor Angst renn ich weg.

 

Dann werde ich schwach

und schaue zurück.

Ein moosgrünes Dach

entdeck ich zum Glück.

 

Das Zwergenschloss lehnt

kaum sichtbar am Hang.

Ein alter Zwerg gähnt

und lächelt mich an.

 

Ich lächle zurück.

Mein Herz bleibt fast stehn.

Mein Gott, hab ich Glück!

Hab Zwerge gesehn!

 

4.6.2019


 

 

 

Heimliche Beobachtung

 

Ein Hase saß auf einer Wiese

und glaubte, niemand sähe diese.

Doch heimlich, still im Waldgebüsch

stand ich und äugte frei und frisch.

 

Da hebt der Hase seine Pfote,

taucht sie in Farbe, die ganz rote,

und tupft ein Muster auf ein Ei...

Ich fass es nicht! Ein Freudenschrei:

 

“Juchu, ich seh den Osterhasen!”

Doch schon ist leer der grüne Rasen!

Der Has ist weg und weg sein Pinsel.

Ich steh allein auf grüner Insel!

 

Enttäuscht tropft mir ne Träne runter.

Doch unser Hase ist ganz munter.

Er sitzt in seinem Hasenhaus

und kichert frech zum Fenster raus.

 

23.2.15

 

 

 

 

Weihnachtszwerge
 
Über die Blätter, die alten und nassen,
hasten die Zwerglein und können´s nicht fassen:
Weihnachten naht schon mit Riesenschritten,
mit Plätzchen und Braten und knusprigen Fritten.
“Was Menschen so alles lecker finden!”
staunen die Zwerglein im Häuschen aus Rinden.
 
Doch jetzt gilt´s, die letzten Bäume zu richten,
glänzende Tannen und tiefgrüne Fichten,
damit sich die Menschen zur Heiligen Nacht
auch freuen an Kerzen und Lichterpracht.
Bald kommt auch der letzte der Zwerge zum Ende
und reibt sich zufrieden die winzigen Hände.
 
Nun schwelgen die Menschen beim festlichen Schmaus.
Sie kennen den Wald nicht und auch nicht das Haus.
Dort aber sitzen die Zwerglein und singen
und lassen zur Weihnacht ein Glöckchen erklingen.
Doch wenn du als Mensch ganz still bist und lauschst,
dann hörst du das Läuten, wenn Wind draußen rauscht.
 
Und mitten im Rauschen hört man es schallen:
Fröhliche Weihnacht und Segen euch allen!
  
21.12.14

 

 

 

 

 

 

Tänzchen im Wald

 

Es raschelt im Wald

wie von kleinen Tritten,

als trappelten Zwerge

durchs fallende Laub.

Ich stutze und staune,

lausche den Schritten,

kann nichts erkennen

und stelle mich taub.

 

Doch raschelt es weiter.

Jetzt tanzen wohl Elfen

zum klackernden Rhythmus

im wehenden Wind?

Ich reib mir die Augen,

kann mir nicht helfen.

Wo nur die trappelnden

Geisterchen sind?

 

Und plötzlich entdeck ich

die hüpfende Meute:

Es fallen die Eicheln

und tanzen beschwingt!

Ich grüße das Völkchen

der winzigen Leute

und lausche dem Herbstlied,

das kichernd verklingt.

 

8.10.13
 

 

 

 

 

Unhold
 
Im tiefen See ein Unhold haust
mit einem Riesenrachen.
Ihr glaubt nicht, wie mir vor ihm graust
und seinem Drachenlachen.  

Bei Regen taucht er manchmal auf,
will sich ein Mädchen haschen.
Auf Jugend steht er nämlich drauf,
 will feines Brustfleisch naschen.  

Ach Gott, im See da unten glotzt er!
Panik beherrscht nun meinen Sinn.
Doch statt zu jagen, knurrt und motzt er.
Ach, ich vergaß, wie alt ich bin!  

3.6.13 

 

 

 

 
Frühlingszwerg

Im hohlen Baum dort hinterm Berg
erwacht vergrätzt der Frühlingszwerg.
Puh, ist es kalt! Das Zwerglein friert
und lustlos es ins Weite stiert.
Doch kitzelt schon ein Sonnenstrahl
und warmes Licht flutet ins Tal.

Also frisch ans Werk gegangen!
Die Welt soll doch nicht länger bangen.
Nun sollen Frost und Eis verschwinden
und Bienen summen in den Linden.
Hokus, pokus, Frühlingsluft,
erfülle dich mit frischem Duft!

Geschäftig sich der Zwerg nun regt.
Schon lauer Wind die Wiese fegt.
Und erste grüne Spitzen
schauen aus den Ritzen.
Endlich vergeht die Winternacht
im warmen Licht der Frühlingspracht!

 

 

 

21.2.12

 

 

 

 

 


Burggespenster

Die Welt steht still im Januar,
im Frost erstarrt.
Hoch auf der Burg die Geisterschar
der Nacht schon harrt.

Wie dumpf sie stöhnen, jaulen, ächzen,
glutäugig durch die Fenster schaun!
Auf kahlem First ertönt ein Krächzen.
Mich packt das Graun.

Ich flieh die Burg, renn wie von Sinnen
hinab ins Tal.
Dort oben lüstern nun beginnen
Nachtwesen wüstes Geistermahl.

Es schmatzt und schnauft. Es kratzt und rauft.
Welch irres Heulen!
Burgfräuleins Seele wird verkauft?

Ach, was du denkst! Es sind nur Eulen.

29.12.11

 

 

 

 

 

Zwergenfrühling

Wie´s dampft und nässt!
Tief hängen die Schwaden.
Im Moos rauscht ein Fest.
Die Zwerglein baden.
Sie hüpfen und schlüpfen
und machen Geschrei
und matschen und patschen
den Frühling herbei.

Wie´s singt und klingt!
Die Vögel schmettern,
und saubere Zwerglein
die Wipfel erklettern.
Sie hocken und locken
die Knospen herbei
und laden uns lachend
zum Tanz ein im Mai.

13.4.10

 

 

 

 

Waldgeister 

Hörst du die irrenden Stimmen im Wald?
Sind´s ächzende Bäume, Windspiel uralt?
Sind´s kreischende Häher?
Wirr wimmert es hell.
Schon kommt es näher!
Ein Lichtstrahl blitzt grell. 

Doch löschen die Böen
das glitzernde Licht.
Wie´s tobt in den Höhen!
Ich fürchte mich nicht.
Ich lausche und staune. Ihr Geister im Wald,
gern würd´ ich euch schauen, euch Kräfte uralt! 

Schon zaust eine Böe
zischend mein Haar.
Es stürzt aus der Höhe
die Geisterschar!
Mit windigen Fingern beuteln sie mich,
zerren und kreischen - Dann wenden sie sich.  

Ich stehe erstarrt,
gesträubt ist mein Haar.
Doch über mir bläut es.
Der Himmel wird klar.
Das Volk der Geister ist weiter gezogen,
mein Traum von Freiheit - davon geflogen.  

18.7.08

 

 


 

 

 

Nebelgeister

Novembernebel geistern bleich
und wabern durch ihr fahles Reich.
Wer hockt dort heimlich in der Hecke?
Wer duckt sich lauernd in die Ecke?
Mich packt´s. Das Grauen kriecht empor.
Was tönt von fern? Ein Geisterchor?

Da bricht ein Lichtstrahl durch die Schwaden.
Ach so, der Strauch dort kann nicht schaden!
Und dieses schaurig tiefe Summen
ist nur der Autos fernes Brummen.

Ganz langsam weicht mein dumpfes Grauen.
Die Augen nun zum Himmel schauen.
Die Sonne kämpft sich durch die Schleier
und spiegelt Bläue auf dem Weiher.
Ein goldner Hauch verklärt den Ort
und jagt die Nebelgeister fort.