August

 



Flügel


Ich habe Flügel. Ich muss fliegen.

Lass deinen Kescher aus der Hand.

In deinen Armen möcht ich liegen,

zu fliegen in ein fernes Land.

 

Ein Land, in dem wir uns nur stützen,

das freie Räume offen lässt,

in dem wir unsren Zielen nützen.

Statt Freiheitsrest wiegt warmes Nest.

 

Auch du hast Flügel. Du musst fliegen.

Auch du willst ganz dein Leben führn.

Selbst wenn wir uns im Arme liegen,

so wolln wir dennoch Freiheit spürn.


  

19.8.2018

 





Neuer Mut

 

Ein Mensch, der manchen Weg beschritten,

der ausgelotet auch das Leid,

der mutig Hochs und Tiefs durchlitten,

der glaubt am Schluss: Ich bin gefeit.

 

Im Alter kann nichts mehr passieren.

Die Illusionen gibt´s nicht mehr.

Ich hab genug vom Ausprobieren.

Hat nicht gelohnt. Nun bin ich leer.

 

Ich bin allein. Ich bin gesund.

Ich lebe gern auf mich gestellt.

Ich komme klar – selbst ohne Hund -

und freue mich an dieser Welt.

 

Ich wandre heiter unter Bäumen.

Und nur fürs Altsein brauch ich Mut.

Hab endlich aufgehört zu träumen.

Denn auch allein ist alles gut.

 

Da kommt es anders als erwartet.

Das Schicksal lacht mir zu verschmitzt:

Du bist doch längst neu durchgestartet.

Hab Mut, dein Glück ist aufgeblitzt.

 

14.8.2018






Daheim

 

Wälder und Seen

aus Zeiten uralt,

Felsen, die stehen

verzaubert im Wald.

 

Hier bin ich geborgen,

hier möchte ich sein.

Es schweigen die Sorgen,

du Wahlheimat mein.

 

Bäume sind Schwestern,

sie weiten mein Herz.

Was quälte mich gestern?

Geheilt ist mein Schmerz.

 

Hier finde ich Heimat,

denn hier will ich sein.

Hier wird mein Herz satt.

Für immer daheim.

 

10.8.2018





Einmal
 
Einmal
ist einfach alles vorbei,
die Jugend, die Liebe,
die Träume, der Mai.
Vorbei. Ja, vorbei.
 
Einmal,
da kippt die Realität.
Die Erde verdorrt.
Es welkt, was gesät.
Zu spät. Ja, zu spät.
 
Einmal,
da ruft dich die Stille im Wald,
der Urgrund des Lebens,
die Tiefe, die hallt.
  Ach? - Jetzt bist du, alt.
 
Einmal,
da tut sich ein Weg vor dir auf.
Er scheint dir zu steinig,
führt endlos bergauf.

Nun lauf schon! Los, lauf!
 


1.8.2018





 
  Spätsommer
 
Der Sommer reift und färbt die ersten Blätter.
Die Buchen glänzen schon im gold´nen Hauch.
Am Himmel dräuen letzte Hitzewetter.
Die Ernte reift - Ich reife auch.
 
Mein Schritt bergan ist kräftig, doch voll Mühe.
Ich tauche ein in Waldes Einsamkeit.
Wie frisch war ich noch morgens in der Frühe.
Jetzt, nach dem Mittag, plagt mich Müdigkeit.
 
Doch voller Trost umfangen mich die Bäume.
Sie wissen nichts von Herbst und Abschiedsschmerz.
Ich werde still und fühle: Meine Träume
vom Glück im Alter weiten mir das Herz.
 
29.8.2017



 

 

 

 Flirrendes Licht
 
Die Blätter haben Sommersprossen.
Der Wald steht still, dass es mich schreckt.
Noch sing ich leise, unverdrossen.
Doch wer flirrt dort, vom Licht geweckt?
 
Ich starre in die Glitzerbäume.
Mein Gott, ist dieser Sommer heiß!
Wirr gleite ich in Zwischenräume,
und weiß nicht mehr, was ich sonst weiß.
 
Vor Schreck erstarr ich, flüstre leise:
“Was willst du, flirrende Gestalt?”
Sie dreht wie irrend sich im Kreise -
und löst sich auf im Licht im Wald.
 
27.8.16

 

 

 

 

 

Mein Herbst
 
Dies ist mein Tag,
wenn erste Nebel schweifen
und an den Hügeln sich wie Geister dreh´n,
wenn Äpfel rot wie Vogelbeeren reifen
und weiche Winde wild mein Haar aufbläh´n.
 
Dies ist mein Tag,
wenn mich die sanfte Freude
des satten Walds im Herzen tief erfüllt,
wenn ich von Staub
und Schweiß mich endlich häute
und Herbst sein reifes Antlitz mir enthüllt.
 
Dies ist mein Tag,
wenn ich vergnügt erwache
mit neuem Schwung und Mut und Zuversicht,
wenn ich wie einst
voll Unbeschwertheit lache.
Dies ist mein Herbst mit seinem milden Licht.
  
26.8.15

 

 

 

 

 

 

Die Tasse

Die Tasse stand auf einem Tisch
und dachte sich frank, frei und frisch:
Wie schön die Vögel draußen fliegen!
Das wär für mich auch ein Vergnügen!
So sprang sie hoch. Im großen Bogen
ist sie beglückt vom Tisch geflogen.
“Ach, ist das schön!” – Dann tat´s nen Schlag.
Das war der Tasse letzter Tag.

Und die Moral von der Geschicht:
Mach nie zu große Sprünge nicht!


3.8.15

 

 

 

 

Abschied
 
Der Sommer geht
und schweren Herzens lasse ich ihn ziehen.
Wenn Herbstwind weht,
schau ich nach Blumen, die erblühen.
 
Doch Glück verweht.
Vertraute Freunde haben mich verlassen.
Mein Herz versteht:
Was bunt und froh war, wird nun bald verblassen.
 
Doch Herbstzeit lädt
auch ein, den tiefen Schmerzen zu entfliehen.
Im roten Schein
des Abendlichts wird auch mein Leid verglühen.
 
Wenn Herbstwind weht,
dann tropfen Tränen mild auf pralle Pflaumen.
Das Leben sät
von allem viel. Was bleibt, ist stilles Staunen.
 
2.8.2015

 

Ich widme dieses Gedicht meinem lieben, alten Freund Helmut G. Er verstarb am 26.7.2015.
Vor ihm verstarb am 2.1.2015 mein anderer alter Freund aus Jugendzeiten Walter O.
Ich bin tief dankbar für unsere lebenslange innere Verbundenheit.

 

 

 

 

 

 

Letzte Sommertage

Das Leben grünt.
Doch erste Eicheln fallen.
Und unverblümt
Schon bleiche Nebel wallen.

Der Sommer schweigt.
Er macht nun lange Pausen.
Ein Blatt sich neigt
im ersten Herbstwindbrausen.

Ich schweige still
und öffne mich dem Neuen,
weiß, was ich will:
Die Wesen schaun, die scheuen.

Im Dunst dort drehn
sich lautlos Nebelfrauen.
Die Schleier wehn
so bleich. Mich packt das Grauen.

Komm, Sommer, jag
das Schattenvolk von dannen!
Noch grünt mein Tag.
Noch lässt die Angst sich bannen.

 29.8.14

 

 

 

 

 

Der Sommer reift

Der Sommer reift.
Noch hängen letzte Kirschen
vergessen überm alten, müden Land.
Mein Auge schweift
voll Lust nach Süßem, Frischem.
Doch schließlich ruht es festgebannt.

Der Sommer reift
und mit ihm kommt das Alte,
die trock´nen Blätter und das müde Gras.
Ein Häher keift.
Und wenn ich innehalte,
erschreck´ ich sehr vor dem halb leeren Glas.

Der Sommer reift
und drohend zaust ein Windstoß
mein starr und wirr geword´nes Silberhaar.
Das Alter greift
nach mir und plagt mich achtlos
und schenkt doch Lebensfülle ganz und gar.

 14.8.14

 

 

 

 

 

Für Butze

 

Mein treuer Freund

und guter Begleiter,

nun werden wir alt

und tun uns schon schwer.

Zwar geht es noch weiter.

Doch Abschiedsgedanken

schmerzen mich sehr.

 

Ich schau dich still an,

seh keinerlei Ängste,

nur gleichbleibend ruhige Gelassenheit.

Du fürchtest kein Ende,

auch wenn unsre längste

gemeinsame Strecke

versank in der Zeit.

 

Butze, mein Held,

mein treuer Gefährte,

dich schrecken nicht Sorgen

noch Ängste, noch Pein.

In deiner Welt

zählen nur Werte

wie Bratwurst und liebes Geborgensein.

 

Butze, mein Held,

was lern ich von dir?

Es ist, wie es ist, und kommt, wie es kommt.

Noch versinkt nicht die Welt.

Was zählt, ist das Hier.

Noch leben wir glücklich,

denn noch sind wir WIR.

 

 

2.8.13