Meine neuen Gedichte

 



Durchgeschwommen

 

Jahre kommen, Jahre gehn.

Bin durchgeschwommen wie durch Seen.

Irgendwann, erschöpft, erschlafft,

habe ich es fast geschafft.

Das Ufer kommt zum Glück in Sicht.

Nein, noch zu früh! Noch will ich nicht.

 

  21.7.2019





Dumm gelaufen

 

Es gibt den Sturm,

der fällt die Eiche.

Sie stöhnt und schwankt

und wird zur Leiche.

 

Der Förster kommt,

verbraucht ihr Holz

für schnödes Geld.

Vorbei ihr Stolz.

 

Was bleibt, ist nur

der Wurzelteller

sowie ihr Geist,

der früher heller.

 

Den hört man nun

ergriffen schnaufen:

Ey, mannomann,

echt dumm gelaufen!

 

 17.7.2019





Unwetter

 

Wolken sind ganz ungeniert,

toben wild nach Herzenslust,

fühlen nicht: Der Sturm gebiert

doch nur Schäden und viel Frust.

 

Haben sie sich abgeregnet,

warten sie aufs Sonnenlicht:

„Na, die Welt ist doch gesegnet

durch den Blitz, der aus uns bricht!“

 

Ist der Sturm dann fort gezogen,

bleiben Asche nur und Schutt.

Traurig äugt ein Regenbogen:

„Ach, so vieles ging kaputt!“

 

17.7.2019




Zweierlei

 

Freundlichkeit und Herzlichkeit

sind spürbar zweierlei.

Zwar machen beide Herzen weit

und seh´n dich stark und frei.

 

Doch „freundlich“ kann rein sachlich sein,

auch ohne warme Emotion.

Ist halt nicht süß wie neuer Wein,

klingt gut, doch ohne Herzenston.

 

Das Alter sagt: Werde bescheiden!

Wer kriegt schon alles, was er will?

Ist es nicht gut? Musst du denn leiden?

Mein Kopf nickt: ja. Mein Herz weint still.

 

5.7.2019




Aufwachen im Paradies

 

Die Vögel zwitschern, singen

und flattern durch die Tür.

Im Bett lausch ich dem Klingen:

Mein Sommermorgen hier!

 

Ich atme ein die Kühle.

Die Sonne blinkt durchs Grün.

Das Glück, das ich hier fühle,

lässt schier mein Herz erglühn.

 

Ich liege noch und lausche.

Ich glaub, ich träume dies.

Mit keinem je ich tausche.

Ich bin im Paradies.

 

4.7.2019





Gräsin und Gräserich

Eine gar traurige Geschichte

 

Hier halten zwei zusammen,

der Gräserich im Wald

und sie an seiner Seite.

Sie findet bei ihm Halt.

 

Sie stehen beieinander

und sind vom gleichen Schlag.

Sie wissen, was sie denken

und fühlen, Tag für Tag.

 

Sie sind sich tief verbunden,

sind stets bemüht und fair.

Doch eins kann er nicht sagen:

„Komm her, ich mag dich sehr!“

 

Die Gräsin hofft vergebens.

Er ist halt nicht der Typ.

Sie trocknet ein, wird spröde.

Einst hatte sie ihn lieb.

 

Doch immer bleibt der Abstand

(Er ist halt drin, der Wurm!),

bis er sie doch ans Herz reißt -

geknickt vom Wintersturm.

  

3.7.2019








Hirschkäfer-Blabla

 

Einst saß er stolz auf einem Baum,

ein Mannsbild wie aus einem Traum.

Freut sich ein Rabe: „Dosenfutter!

Hirschkäfer schmeckt auch ohne Butter!“

Hack-hack! Umsonst sind dessen Zangen.

Jetzt hilft kein Kampf mehr und kein Bangen.

In seiner Not der Käfer droht:

„Bin stets der Sieger. Bist schon tot!“

Der Rabe lacht: „Der Sieger? Klar!“

Hackt, dass es knackt: „Jaja, blabla!“

 

28.6.2019






Vogel-frei – am A… vorbei

 

Es gibt das Wort: „Am A… vorbei!“

Das schockte mich schon manchmal sehr.

Der Feder ist dies einerlei.

Sie sagt sich: „Wo komm ich denn her?

Ich stamm´ aus Bussards breiten Schwingen

und flog ihm dann am A… vorbei.

Ich lauschte schwebend Vogelsingen

und fühlte mich wie Mensch im Mai.

 

Was will ich mehr? Jetzt bin ich frei!

Was schmerzt, geht mir am A… vorbei.“

 

25.6.19

 

Die Ausdrucksweise der Jüngeren mag unpassend drastisch sein.

Aber offenbar kann sie helfen zu leben.



 

Holzkopf

 

Verbittert schaut er stets einher,

der Kopf aus Holz am Fichtenfuß.

Ihn nervt die Hektik rundum sehr.

Da läuft ein Reh, sagt: „Gott zum Gruß!“

Der Fingerhut nun läutet leis.

Und nebenan ein Vogel singt!

Bei so viel Lärm rinnt ihm der Schweiß.

Wie ihm dies Leben wieder stinkt!

Er legt die Stirn in Zornesfalten

und brüllt: „Seid still, ihr Blöden hier!

Ihr könnt doch mal die Klappe halten!“

 

Holzköpfe sind halt so wie wir.

 

23.6.2019

 


  

Holunder

 

Holunder hilft wohl gegen alles:

Infekte, Fieber, Seelennot.

Auch zaubert er im Fall des Falles,

verhindert Unglück, Not und Tod.

 

Uns Menschen ist er wohlgesonnen.

Doch eines nimmt er uns sehr krumm:

Wenn jemand hat das Beil genommen

und hackte ihn perfide um.

 

Dann bringt er Unglück, doch nur diesem.

Mir schenkt er Blüten, Beerensaft.

Bewahrt vor Liebeskummer, fiesem.

Ach, hätt´ er das doch auch geschafft!

 

21.6.2019

 

Die Beeren des Schwarzen Holunders haben in der Naturheilkunde seit jeher einen wichtigen Platz. Sie enthalten reichlich Vit.C, ebenso B1 und gesundheitsförderliche Pfanzenfarbstoffe. In Früchten und Blüten sind darüber hinaus auch ätherische Öle und Fruchtsäuren enthalten. Die vor allem in den Beeren enthaltenen Wirkstoffe sollen entzündungshemmend, fiebersenkend, Abwehrkräfte stärkend, schmerzlindernd, sowie zell- und gewebeschützend wirken.


Entsprechend wurde dem Volksglauben nach dem Holunder schon immer große Achtung gezollt. Früher stand bei fast jedem Hof ein Holunderstrauch. Sein Aushacken sollte Unglück bringen. Da der Holunder der Erdgöttin Frau Holle (Hollerstrauch) zugeordnet wurde, wundert es nicht, dass er auch als Vermittler zwischen erdbewohnenden Wesen wie Zwergen und den Menschen galt. Ihm wurden auch Abwehrkräfte gegen schädliche Zaubereinflüsse und Hexerei zugeschrieben.


In manchen Gegenden war es Brauch, bei Erkrankung oder anderen Nöten diese auf einen Zettel zu schreiben und mit der Bitte, der Holunder möge sie übernehmen, an einen Ast zu hängen.

 

 

 


Stirn in Falten

 

Auch Buchen haben ihre Sorgen.

Nur ich als Mensch erkenn das nicht.

Zwar scheinen sie im Wald geborgen.

Doch plagt sie mal zu wenig Licht,

zu wenig Wasser, zu viel Sturm,

im Mai ein Frost bis in den Morgen.

Im Erdreich nagt auch noch der Wurm.

Was mag die Buche von uns halten?

Kann sie uns Menschen wohl verstehn?

Stumm legt sie ihre Stirn in Falten:

Auch diese Plage wird vergehn!


19.6.2019

 

Die „Faltenbuche“ steht am Serpentinen-Pfad kurz vor der Hohen List.



 


Sonntentau

 

Der Sonnentau, der Sonnentau,

der ist ein arger Fliegenklau.

Er blinkt und winkt mit feinen Tröpfchen.

Im Sumpf versinkt mein kluges Köpfchen.

Ich schau ihn an – mein Herz, es bubbert.

Doch tief im Moor es warnend blubbert.

Ich knie mich nieder: Bist du schön!

Ich muss dich noch viel näher sehn.

Ach, Sonnentau, ich bet´ dich an!

Wumm - häng ich mit der Nase dran.

 

18.6.2019


Der Sonnentau gehört zu den fleischfressenden Pflanzen. Da er auf sehr nährstoffarmen Böden wie Sümpfen wächst, braucht er Zusatznahrung. So lockt er mit den glitzernden, klebrigen Tentakeln an seinen Blättern Insekten an. Diese bleiben hängen und werden mit Hilfe von Verdauungssäften zersetzt und verdaut.


 



Alien im Pfälzerwald

 

Ein Tintenfisch schwamm durch das Meer.

Vor Langeweile gähnte er.

Dabei, oh Schreck, verschluckte er

das Meer. Das war nun plötzlich leer.

Der Tintenfisch, nun auf dem Land,

wurd´ von der Sonne rot gebrannt.

Vor Schreck kriegt´ er noch schwarze Pocken.

Als Alien kann er nur noch schocken.

Er stinkt sogar nach Kot und Schweiß.

„Ach!“ seufzt er laut: „Was für ein Scheiß!“


18.6.2019


Der Tintenfischpilz stammt aus Australien oder Neuseeland. 1913 wurde er zum ersten Mal in den Vogesen entdeckt.

Vermutlich wurde er durch Woll- und Militärtransporte eingeschleppt. In Deutschland fand man ihn zum ersten Mal 1934 im Karlsruher Raum. Im Pfälzerwald scheint er sich aufgrund der sauren Böden besonders wohl zu fühlen. Er riecht nach Aas, wodurch er Mistkäfer und Fliegen anzieht, die seine Sporen verbreiten.