Meine neuen Gedichte



Stets der Größte

(Giftschirmpilz)

 

Mit Angebersinn

so prahlt er und strotzt.

Doch sieh näher hin:

Wer DEN nimmt, der kotzt!

 

Es ist wie auch sonst:

Wer sein will ein König,

wer heldengleich strunzt,

der taugt meist nur wenig.

 

Als Typ wenig brauchbar

muss ständig er strotzen.

Ja, eines ist klar:

Der lehrt dich das Kotzen!

 

5.11.2019

 

Der Gift-Riesenschirmling sieht dem Riesenschirmpilz (Parasolpilz) zum Verwechseln ähnlich.

Aber er kommt nur sehr selten vor, ist gedrungener, kräftiger und hat im Gegensatz zum Parasol keinen genatterten Stiel und einen fest angewachsenen (also keinen verschiebbaren) Ring.

Er wächst gern auf Kompost oder nährstoffreichem Humus.

(Bei meinem Foto könnte es sich aber auch um den nicht giftigen Keulenstieligen Garten-Safranschirmpilz handeln.)





Stille Zeit

 

Es raschelt mein Schritt.

Es flüstert die Zeit.

Denn still mit mir mit

ziehn Freude und Leid.

 

Ziehn alle, die lebten

und webten vor mir,

die ebenfalls strebten.

Ich spür sie noch hier.

 

Sie gehn mit mir mit,

in Liebe bereit.

Es raschelt mein Schritt.

Doch still schweigt die Zeit.

 

4.11.2019





Für den Kornblumenröhrling

 

Kornblumenblau

 

So mancher trinkt gern Alkohol,

vergisst das Maß und ist dann voll.

Er steht und schwankt und fällt dann um.

Erst lallt er noch und wird dann stumm.

 

Tja, stünde ich im Wald allein

den ganzen Tag auf einem Bein,

wär ich zwar weiter alt und grau,

doch sicher auch kornblumenblau.

 

27.10.2019


Kornblumenröhrlinge sind zwar essbar, aber so selten, dass man sie unbedingt stehen lassen sollte.





Der Tiger

 

Mein Gott, ein Tiger schaut durchs Fenster!

Er späht durchs Glas. Was mach ich nur?

Ach so, das sind nur Nachtgespenster.

Doch es ist neun, noch nicht zwölf Uhr!

 

Ich schau ihn an. Der Tiger spricht:

 „Bin nur ein Schnegel, ein ganz feiner.

Besuche dich. Du hast noch Licht.“

„Dann sei willkommen, alter Schleimer!

 

Du bist sehr hübsch, doch etwas eklig.

Sei lieb, such dir ein andres Heim!“

Der Tiger, schwer frustriert, schimpft kläglich:

„Wie fies - Ich mach mich aus dem Schleim!“

 

21.10.2019


Tigerschnegel sind keine Schädlinge, sondern Helfer im Gemüsegarten . Sie ernähren sich weitgehend von anderen Nacktschnecken, deren Eiern und toten Pflanzenteilen.

Sie sind ausschließlich nachtaktiv.





Der Steinpilz

 

Er schiebt den Kopf zum Gras heraus

und fragt sich: Wann kommt wohl das Aus?

Läuft da ein Mensch und zückt das Messer?

Beglückt zu Haus´ er seine Esser?

 

Dies Schicksal ist vorbei gegangen.

Doch mitgefangen, mitgehangen:

Die Schnecke nagt schon unterm Hut:

Ein Steinpilz schmeckt so richtig gut!

Ein Käfer wühlt sich in den Stiel

und futtert endlich richtig viel.

 

Der Steinpilz reift. Er grinst verloren

und sendet aus Millionen Sporen.

Die schlüpfen schnellstens in die Erde:

Auf dass aus uns ein neuer werde!

Der alte fault. Doch bleibt er heiter:

Im Boden lebe ich ja weiter.

 

Da kommt ein Mensch mit Korb, ´nem vollen:

Den hätt´ ich früher finden sollen!

Oh Mann, ich beiß´ mir in die Wade,

um dieses Prachtstück ist es schade!

 

20.10.2019


Die Pilze, die wir entdecken und sammeln, sind nur die Fruchtkörper des eigentlichen Lebewesens Pilz. Dieses lebt als riesiges, fadenähnliches Geflecht in der Erde. Viele Pilzgeflechte umschließen die Wurzeln von Bäumen. Sie versorgen diese mit Wasser und Mineralien, aber auch mit "Informationen", und bekommen im Gegenzug Zucker und andere Nährstoffe.

Pilze sind lebensnotwendig für den Wald wie für die gesamte Natur.






Trost

 

Sanft tröstet mich jemand:

Du bist nicht allein.

Auch Bäume, sie haben wie du eine Seele.

Euch bindet ein Band.

Du spürst es genau. Nun entscheide und wähle.

Schau hinter den Schein,

bleib nicht vor der Wand!

Ich schaue zur Sonne und lächle ins Helle.

Wie schön ist dies Land!

Wie eifrig sie murmelt, die plätschernde Quelle!

Auch ich spür das Band -

weit mehr als den Schein.

Wie gut ist es, hier unter Freunden zu sein!

 

19.10.2019






Lebenskraft

 

Sie schleppt den Bauch mit sich herum.

Nicht ein Kind, -zig? Ach, sei es drum!

Sie fühlt sich schwer und unbeweglich.

Die Last drückt ständig – fast unsäglich.

Sie weiß: Lang ist es nicht mehr hin.

Sie lebt für diesen Lebenssinn.

Mit Mühen faltet sie die Hände:

Ach, wär die Last doch schon zu Ende!

Auch hofft sie auf des Schicksals Güte,

auf dass es ihre Kinder hüte.

Danach verebbt ihr Lebenssinn.

Sie nimmt es gottergeben hin.

Denn alles endet gnadenlos.

Das Leben selbst bleibt stark und groß.

 

 11.10.2019



Die Gottesanbeterin ist eine sehr große, seltene Fangschrecke. Sie hat sich vom warmen Mittelmeerraum aus nach Norden verbreitet.

In Deutschland kommt sie auf verschiedenen Wärmeinseln vor, auch in Rheinland-Pfalz. Sie wurde inzwischen sogar im Sauertal bei Ludwigswinkel und Fischbach gefunden.

Oft verharrt sie regungslos lauernd zwischen Halmen, um sich dann blitzschnell ein unvorsichtiges Insekt zu greifen und zu verspeisen.

Bei der Paarung muss das Männchen aufpassen, nicht auch zur Beute des größeren Weibchens zu werden.

 



Regen

 

Es regnet, regnet endlich wieder.

Der nasse Wald singt Regenlieder.

Er platscht und tratscht und tropft versonnen.

Der Boden quatscht vor Regenwonnen.

Ich spür´ die Bäume endlos trinken

und meinen Schuh im Schlamm versinken.

Verflixt, ich tret´ in eine Pfütze!

Das Wasser spritzt mir bis zur Mütze.

Ach, Regen ist gesund und frisch!

Doch bin ich Mensch – nur ungern Fisch.

 

6.10.2019






Wo Gnome wohnen tief im Wald,

wo ihre Lieder fröhlich klingen,

da kichern Zwerge, keck und alt.

Sie wollen mich zum Singen bringen.

Doch kaum erklingt mein erster Ton,

sind alle weg… Ich ahnt´ es schon.

 

 30.9.2019



 



Die Burg

 

Bin eine Burg, im Kampf gereift,

in tausend Jahren fast geschleift.

Erlebte alles, auch viel Frust

und immer neue Kampfeslust.

Ich brannte hell und mir war kalt.

Will jetzt nur Ruhe, bin nun alt.

 

Doch nachts, bei Mondlicht im Gemäuer,

da huscht und tappt es nicht geheuer.

Da stöhnt und jammert es noch leise.

Und schaurig tönt die alte Weise

von Kampf, Verrat und Machtgelüsten,

als wenn die Geister kämpfen müssten.

 

Doch wird es Tag, ist es vorbei.

Die Burg im Licht steht hell und frei.

Die Nachtgespenster sind verschwunden.

Die Burg hat Frieden nun gefunden.

Ich liege leuchtend in der Sonne,

bin voller Gleichmut, Kraft und Wonne.



28.9.2019






Singen gegen die Angst

 

Ich starre im Dunkeln

auf das, was mich schreckt.

auf etwas, was panische Angst in mir weckt.

Doch oben das Funkeln,

das sehe ich nicht.

Und dennoch blinkt leuchtend das Sternenlicht.

 

Ich schließe die Augen,

schau innen ins Licht.

Ich ändre den Fokus und kläre die Sicht.

Nur Mut kann hier taugen,

nicht Zimperlichkeit.

Nur stilles Vertrauen trägt mich durch die Zeit.

 

Ich singe erst leise,

dann zunehmend laut.

Ich singe das Lied, das mir so vertraut.

Ich singe Beweise

für Kraft und für Mut.

Auch dies steh ich durch - und auch dieses wird gut.

 

22.9.2019


 



Am Rand

von Raum und Zeit

 

Stille, Stille –

Nur leise tickt die Zeit.

Ich atme tief,

entlasse Frust und Leid

und tauche ein

in wundersame Welten.

Hier will ich sein,

hier, wo noch Träume gelten.

Stille, Stille –

Mein Herz wird frei und weit.

Bin hier im Land

am Rand von Raum und Zeit.

 

17.9.2019






Neuer Morgen

 

Ein Sonnenstrahl,

ein neuer Morgen.

Ein Hauch von Güte,

von geborgen.

 

Bin voller Dank,

voll tiefem Staunen.

Was mögen mir

die Bäume raunen?

 

Sie raunen leise:

Hab nur Mut!

Vertrau dem Leben.

Es ist gut!

 

14.9.2019