Meine neuen Gedichte




Im warmen Wald

Im warmen Wald,
wenn milde Winde wehen
und Vögel zwitschern voller Lust ihr Lied,
wenn meine Füße leisen Schrittes gehen,
zieht Sommerfrieden tief im Herzen mit.

Im warmen Wald,
wenn  Sorgen endlich schweigen
und Zuversicht die alten Nöte deckt,
tanzt  wundersam am Bach ein Zauberreigen.
Ihr Elfen, haltet euch nicht mehr versteckt?

Im warmen Wald
geht auch mein Herz auf Reisen,
ist still erfüllt und findet seine Ruh.
Es lauscht verzückt den altvertrauten Weisen
und fliegt im Traum der ew´gen Heimat zu.

4.7.2020






Dümpelnder Sinn

 

Dumpf drückendes Wetter,

dumpf dümpelnder Sinn.

Ich geh durch den Wald,

weiß nicht, wer ich bin.

 

Ich wälze Probleme,

statt Schönes zu fühl´n,

erliege dem Sog,

im Schlechten zu wühl´n.

 

Ich grüble voll Ärger,

bin bös auf die Welt.

Vergesse dabei

die Hand, die mich hält.

 

Ich atme tief durch

und schaue ins Grün.

Wie hübsch sind die Blumen,

die plötzlich erblüh´n!

 

27.6.2020






Gelebter Traum

 

Wie kann dieser Sommer

denn schöner noch sein?

Es zwitschern die Vögel,

bin frei und allein.

 

Es summen die Bienen.

Walderdbeerenduft.

Und weit in der Ferne

der Kuckuck noch ruft.

 

Douglasien verströmen

betörend und süß

den Duft von Orangen

ins Traumparadies.

 

Ich lächle, umarme

den nächstbesten Baum

und träume mein Leben.

Ich leb´ meinen Traum.

 

25.6.2020






Zauberwald

 

Es wispert im Moos

und raschelt im Laub -

Sag, bin ich denn blind,

die Ohren halb taub?

 

Hier kichern doch Zwerglein!

Und Elfen, sie schweben

im Nebel der Wiese!

Verwunschenes Leben.

 

Ich stehe und lausche,

vom Zauber gebannt.

Geheimnis des Waldes,

verzaubertes Land!

 

22.6.2020





Hohle Buche

 

Hohl im Kopf, das bin ich auch.

Die Buche ist´s zudem im Bauch.

Was hilft da Jammern oder Murren?

Das Alter hinterlässt halt Spuren.

Doch strecken wir uns hoch zum Licht.

Die Lebenslust verlässt uns nicht.

 

17.6.2020






Beste Zeit

 

Graues Haar und grauer Sinn.

Du fragst, warum ich glücklich bin?

Mir tut nichts weh, kann laufen, lachen

und lauter schöne Sachen machen.

Genieß den Wald und leckres Essen

und werde nicht vom Wolf gefressen.

Bin Oma zwar, ne alte, zähe,

doch Rotkäppchen in meiner Nähe

erzählt nur dumme, dreiste Lügen!

Damit kann niemand mehr mich kriegen.

Altwerden birgt zwar manches Leid.

Doch jetzt ist meine beste Zeit!

 

13.6.2020





Veränderung

 

Als Kinder war´n wir unbefangen,

voll Übermut und dreist und frei.

Doch die Erkenntnis – schwer wie Blei –

war: Mitgefangen, mitgehangen.

 

Als Alte nun, nach langer Reise,

sind wir voll Umsicht und Bemüh´n.

Wir seh´n am Wege Blumen blüh´n

voll tiefer Freude - und sind weise.

 

11.6.2020








Schafskälte

 

Geschoren ist´s dem Schaf sehr kalt.

Es jammert laut, dass es weit hallt:

Mäh, määäh, ich friere auf der Wiese!

Wieso denn nur ist plötzlich diese

so elend kalt? Ich friere so!

Das hört ein Wolf und flüstert froh:

„Komm her, du liebes, armes Schätzchen,

ich weiß für dich ein warmes Plätzchen!“

Weit reißt er auf den Riesenrachen

und will schon ganze Sache machen.

Doch unser Schaf tut einen Sprung -

es ist zwar kahl, doch sportlich jung –

und springt in seinen Stall hinein.

Noch Türe zu: „Bin doch nicht dein!

Du, falscher Wolf, bist einfach miese!

Viel lieber frier´ ich auf der Wiese!“

Und die Moral von der Geschicht?

Trau süßen Reden niemals nicht!

  

7.6.2020


Die Schafskälte ist ein meteorologisches Phänomen. Es bezeichnet die Zeit Anfang Juni, in der es regelmäßig noch einmal recht kalt wird. Der Begriff kommt daher, dass früher die Schafe Ende Mai/ Anfang Juni geschoren wurden und bei der Schafskälte dann frieren mussten.






Lächelnder Blick

 

Ganz zart kost der Wind

mein silbernes Haar.

Wie leicht Träume sind,

wie klar und wie wahr,

wenn leuchtend sie ziehen

durch Wald und durch Feld,

mit Wolken entfliehen

hinaus aus der Welt.

 

Ganz zart kost der Wind

mein silbernes Haar.

Das Alte zerrinnt,

so gut es auch war.

Das Leben webt weiter.

Es lächelt mir zu,

ermuntert mich heiter:

„Komm, lächle auch du!“

 

29.5.2020






Erinnerung

 

Erschlafft ist mein Schritt.

Leis murmelt der Wald.

Kaum hörbar der Tritt

aus Zeiten uralt.

 

Wo seid ihr geblieben,

ihr Lieben von einst?

Ins Herz mir geschrieben.

Schweig still, wenn du weinst.

 

Kaum hörbar die Tritte.

Ihr geht neben mir,

nehmt mich in die Mitte -

Ach, bleibt doch noch hier!

 

 21.5.2020






Neue Sicht

 

Wie trägst du schwer an deiner Angst,

wenn du bedroht um Frieden bangst,

an deiner Angst durch Ärger, Not,

vor Katastrophen, Bosheit, Tod.

Wir quälen uns mit großen Sorgen

und fragen ängstlich: Was wird morgen?

 

Doch heute ist der Neuanfang,

die Wende: Außen Vogelsang

und innen Stille, Kraft und Mut,

das Urvertrauen: Es wird gut.

Es gibt die Hilfe, die du spürst,

auch für das Leben, das du führst.

 

Schau auf die Liebe, die du kriegst,

durch die du jede Angst besiegst;

auf Liebe, die nicht mal Gefühl,

die Frieden bringt, auch wenn sie kühl;

auf Liebe, die bewusst wir geben.

Sie ist das Wichtigste im Leben.

 

11.5.2020





Das Lied der Nachtigall

 

Voll Sehnsucht singt die Nachtigall.

Ach, flötet sie so süß!

Ich lausche ihrem Widerhall

und träum´ vom Paradies.

 

Vom Paradies der Jugendzeit,

als mich noch Sehnsucht trieb,

als ich zu lieben war bereit.

Allein die Hoffnung blieb.

 

Die Liebe ist im Wind verweht.

Ein´ jede kam zu Fall.

Kein Name mehr am Himmel steht.

Und du singst, Nachtigall!

 

 29.4.2020






Heimat ist

 

Heimat ist,

wenn du vergisst,

wie schwierig leben wirklich ist

und dass du letztlich einsam bist.

 

Heimat ist,

wenn du vergisst,

dass Enge oft belastend ist,

weil du im Schmerz geborgen bist.

 

Heimat ist,

wo du es siehst:

Wie wunderschön die Welt doch ist!

Und du voll Mut und Liebe bist.

 

24.4.2020






Lass fließen

 

Wie schwer das Leben wirklich ist,

erfasst du erst, wenn es dich frisst,

wenn Enge, Schmerz und echte Sorgen

dir drohen: Schau, das ist dein Morgen!

Wenn diese Welt im Grau versinkt

und Zuversicht an Stöcken hinkt.

 

Dann plötzlich trifft in diese Qual

ein klitzekleiner Sonnenstrahl.

Die dunkle Wolke reißt entzwei.

Du atmest durch und fühlst dich frei.

Nun krempelst du so manches um,

sagst dir: Wie war ich vorher dumm!

 

Wie schön das Leben wirklich ist,

das spürst du, wenn du bei dir bist.

Wenn du bei allen Nöten, Pflichten

dich kannst nach deinem Herzen richten

und dich bei allem, was dich stört,

die Einsicht lenkt: Bleib unbeschwert!

 

Denn letztlich kannst du nichts erzwingen.

Du könntest auch bei Frust laut singen.

Du kannst begreifen, Chancen spüren,

erkennen, wo die off´nen Türen.

Du kannst trotz allem froh genießen.

Lass´ Freude, Liebe, Hoffnung fließen!

 

21.4.2020






Frühling

 

Ich atme tief ein, versinke im Grün.

Wie schimmernd die wilden Kirschen schon blühn!

Es singen die Vögel. Sie jubeln ihr Lied.

Ich kann noch nicht fassen, wie mir hier geschieht.

Wie lang war der Winter, wie dunkel und kalt!

Wie tot schien der Wald - wie leblos und alt!

Und jetzt blüht das Leben und jubelt sein Ja!

Ich schaue und staune: Der Frühling ist da.

 

9.4.2020





Der Giraff


Im kalten Wald im Januar

steht ein Giraff und jammert: „Klar -

das Leben fahl, die Bäume kahl,

und in mir brennt – ach, welche Qual –

ein heiß Verlangen nach ner Feinen

mit langem Hals und langen Beinen!“

 

Da meldet eine Kiefer sich:

„Komm, spinn´ nicht rum. Nimm einfach mich!“

Erst hat er sich noch sehr geziert.

Dann hat er sie halt doch verführt.

Er tat sich zärtlich an ihr laben.

Na ja, wer kann schon alles haben?

 

4.4.2020






Corona-Zeit

 

Der Wind dröhnt dumpf

durch kahle Wipfel.

Es ächzt der Wald im Sonnenschein.

Nur Moos grünt stumpf.

Hoch überm Gipfel

kreist eine Krähe winzigklein.

 

Ich lausche bang,

vernehm´ das Knarren.

Wie´s ächzt und stöhnt und kreischend schreit!

Trotz Sturmwindklang

gilt jetzt: verharren.

Die Prüfung heißt: Corona-Zeit.

 

Es jault ein Baum.

Mich packt das Grauen.

Was kommt noch alles auf uns zu?

Doch Frühlingstraum

mahnt hinzuschauen:

Ihr hofft, erkennt und lernt dazu.

 

22.3.2020