Meine neuen Gedichte




Zauberwelt

 

Im Schnee erwacht

die Märchenwelt.

Noch schüchtern fällt

aus dunkler Nacht

ein blasser Hauch.

Doch er erhellt

die Zauberwelt -

und mein Herz auch.

 

1.12.2020






Das letzte Blatt

 

Die Welt erwacht

im goldnen Glanz.

Nach dunkler Nacht

erstrahlt sie ganz.

 

Ein warmes Licht

weckt Busch und Baum

und mein Gesicht

aus bangem Traum.

 

Wie reich und satt

erstrahlt die Welt!

Doch dort ein Blatt -

es fällt und fällt.

 

22.11.2020





Nebelflüstern

 

Im Nebel träumen Seen und Wälder.

Kaum hörbar flüstert mir ein Hauch:

Du frierst. Es wird dir immer kälter.

Komm, lächle, es gibt Gutes auch!

 

Ganz tief in dir, da ruht das Wissen

von dem, was Reiches dir geschah.

Voll Frieden, Wohlstand, auch voll Küssen,

so war dein Leben, gut und wahr.

 

Vergiss die Kämpfe, all die Schmerzen,

verlorne Kraft, verlornen Mut.

Vertraue endlich deinem Herzen.

Denn letztlich ist doch alles gut

 

14.11.2020





Elwedritsche

 

Die Elwedritsche ist ein Tier,

das heimlich lebt im Walde hier.

Es ist halb Huhn, halb Frau, halb Greif

und hat sogar nen Pferdeschweif.

Bei Vollmond lässt sie sich auch fangen

mit Säcken und mit langen Stangen.

 

Doch meistens spukt sie nur in Köpfen

mit dickem Busen und mit Zöpfen.

Und wenn die Tritsche ist vergnügt,

sie auch in Männerarmen liegt.

Ihr seht, dies Tier scheut zwar die Sonne,

doch sonst ist es die pure Wonne.

 

11.11.2020

 

Das von mir entdeckte Exemplar ist nicht gerade das attraktivste. Wollt ihr Elwedritschen mit Busen und Zöpfen sehen, googelt bitte nach dem Elwedritschebrunnen in Neustadt an der Weinstraße.

 





Felsentor

 

Millionen Jahre standgehalten,

den Wüstenstürmen und dem Frost.

Eiszeiten ließen dich erkalten,

du roter Fels, gefärbt vom Rost.

 

Die Zeit hat schließlich dir gelächelt:

erst Sand, dann Fels, dann Felsentor.

Auch milder Wind hat dir gefächelt.

Er flüstert: „Schicksal!“ in mein Ohr.

 

Die Jahre kommen und sie gehen.

Sie formen uns in ihrem Sinn.

Wenn sanfte Winde für uns wehen,

ist Schicksal Glück und Hauptgewinn.

 

7.11.2020






Seelenmütze

 

Die letzten Pilze tragen Mütze.

Viel Laub bedeckt schon ihren Hut.

Mein Jahr voll Pandemie und Hitze

war fordernd, aber letztlich gut.

 

Nun rauscht der Herbst mit seinem Regen.

Ich mag die Stille dieser Zeit

und auch das Rascheln auf den Wegen,

Durchatmen und Geborgenheit.

 

Ich mag das Lachen tief im Innern,

den Dank für alles, was geschah,

die Strahlen, die durch Bäume schimmern,

und Zuversicht fürs neue Jahr.

 

2.11.2020






Plätzchen-Herbst

 

So manche tragen jetzt schon Glatze,

doch viele Bäume sind noch bunt.

Ich sitz am Fenster, schau und schmatze

ein Schokoplätzchen süß und rund.

 

Herbstblätter wirbeln wild dahin.

Sie tanzen ihren Abschiedstanz.

Ich frag mich, ob ich einsam bin,

und kaue und vergess mich ganz.

 

Es greift das Jahr nach seinen Kindern.

Das alles endet nur zum Schein.

Ich denk zu viel. Es wird mich hindern,

nur zu genießen und zu sein.

 

Ich schau hinaus: „Wozu der Frust?

Du lebst doch, wie es dir gefällt.

Genieß den Herbst voll Lebenslust!

Dir bleibt genug in deiner Welt.“

 

29.10.2020





Ein wahres Erlebnis von heute Nacht



Jenseits der Zeit

 

Auch Sommerzeiten enden schnöde

Es stoppt die Uhr des Nachts um drei.

Mein Schlaf ist herrlich tief und öde.

Da meint die Blase: Bin so frei!

 

Ich tappe also schlafestrunken

zu mir ins Bad mit leerem Sinn.

Nun sitz ich tief in mir versunken.

Vor meinem Fuß, da kriecht was hin!

 

Ich bin hellwach! Doch ohne Brille

erkenn ich nur ein Häufchen klein.

Zu groß ist dieses für ne Grille.

Es kriecht und schwankt, zeigt kriechend Bein.

 

Ogott, wie eklig! Renn zur Küche

und kehre wieder mit nem Glas.

Das Vieh ist fast schon fortgeschlichen.

Ich fang es ein. Was ist denn das?

 

Nun seh ich es. Wie mich dies freut!

Ein Krötlein glubscht und stellt sich stur.

Ne Kröte jenseits aller Zeit!

Unmögliches braucht keine Uhr.

 

25.10.2020






Herbstgold

 

Frierende Bäume im nasskalten Wind,

die Blätter verschlissen. Das Jahr still zerrinnt.


Doch plötzlich, da fällt ein leuchtender Strahl

auf dieses Gelb. Schon lodert das Tal.

Es leuchtet und strahlt im goldenen Schein.

Wie kann so viel Schönheit das Ende nur sein?


Doch plötzlich ein Windstoß zum Sturmwind auffrischt.

Der Himmel wird grau - und der Zauber erlischt.

 

25.10.2020






Im Dunst

 

Im Dunst verschwimmen Fluss und Bäume.

Der Wald trägt schon sein stilles Kleid.

Und durch die grauen, leeren Räume

fliegt einsam wie durch meine Träume

ein Rabe - jenseits aller Zeit.

 

18.10.2020

 





Herbst

 

Wie leuchtet die Welt!

Sie dreht richtig auf.

Doch ganz heimlich fällt

auch Schwermut darauf.

 

Fallende Blätter,

goldbraun und rot -

verwirbelt im Wetter.

Der Herbstwind, er droht.

 

Er reißt an der Mütze,

peitscht Schauer zu mir.

Mein Weg – eine Pfütze.

Was tue ich hier?

 

Ich spüre das Leben,

durchnässt, auch voll Frust.

Doch in dieses Weben

versink ich bewusst.

 

Da leuchtet die Welt

im Herbstsonnenschein.

Ein Blatt tanzt und fällt.

Es tanzt ganz allein.

 

11.10.2020




Dieser Spruch fiel mir heute in die Hände:

 

Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer.

Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher.


Hermann Kesten

 

 

Moderne Medizin

 

Die Medizin ist ungeheuer

erfolgreich und entwickelt sich.

Sie macht selbst Alte wieder neuer.

Und immer optimiert sie dich.

 

Die Medizin - ein wahrer Segen

aus Pharmazie und Technik-Wohl.

Warum soll ich mich noch bewegen?

Ein Burger schmeckt mir eher als Kohl.

 

Die Medizin – ein Fortschritts-Hort.

Selbst Vater Hein darf nicht mehr kichern.

Mit seiner Sense schlich er fort.

Tja, auch der Tod lebt nicht mehr sicher.

 

24.9.2020





Hinfallen

 

Ein Käfer saß auf einer Wiese

des Glaubens, niemand sähe diese.

Da nahte sich im schnellen Flug

Hornisse Horst voll Gier und klug.

„Oh, so ein köstlich großer Brocken,

der könnte meinen Magen locken!“

Doch unser Käfer voll Erfahrung

rief schnell: „Such dir ne andre Nahrung!“

 

Er ließ sich schwups zur Erde fallen.

So konnte Horst ihn nicht mehr krallen.

Der schaute dumm: „Wo isser nur?“

Doch unser Käfer, der blieb stur:

Auch wenn ich sonst der Größte bin,

so macht das Fallen manchmal Sinn.

Hör die Moral von der Geschicht:

Hinfallen ist dein Ende nicht.


20.9.2020





Mein Septembertag

 

Dies ist mein Tag,

wenn sanfte Winde säuseln

und erstes Gelb die grünen Blätter neckt,

wenn Wölkchen zärtlich sich am Himmel kräuseln

und mich des Sommers Ende nicht mehr schreckt.

 

Dies ist mein Tag,

wenn in Septembers Stille

nur noch der Häher warnt und gellt

und tief in mir aus Disziplin und Wille

ein Lächeln steigt zum Abschiedsklang der Welt.

 

Dies ist mein Tag,

wenn ich im frühen Dunkel

versonnen schon in erste Träume tauch,

wenn tröstend mir die ewgen Sternlein funkeln

und ich erkenne: Dies ist Gutes auch.

 

9.9.2020





Leben lebt sich

 

Das Leben lebt sich

ohne mich.

Es schweigt und drängt,

verbreitet sich

Es kämpft und singt,

erfindet sich

ganz neu.

So wäre gern auch ich.

Doch Gras wird Heu.

 

3.9.2020





Die Heide blüht

 

Die Heide blüht.

Und in mir blühen Träume,

dass das geschieht

und ich nicht noch versäume,

was wiegt und zählt:

Zufriedenheit im Leben,

dass mich nichts quält,

dass Liebe ich kann geben,

dass Frieden lacht,

um mich und tief im Innern,

und in der Nacht

die Sterne tröstlich flimmern,

dass satt ich bin,

voll Dank, auch für die Schmerzen,

voll Lebenssinn

und Lächeln tief im Herzen.

 

2.9.2020