Meine neuen Gedichte




Lächelnder Blick

 

Ganz zart kost der Wind

mein silbernes Haar.

Wie leicht Träume sind,

wie klar und wie wahr,

wenn leuchtend sie ziehen

durch Wald und durch Feld,

mit Wolken entfliehen

hinaus aus der Welt.

 

Ganz zart kost der Wind

mein silbernes Haar.

Das Alte zerrinnt,

so gut es auch war.

Das Leben webt weiter.

Es lächelt mir zu,

ermuntert mich heiter:

„Komm, lächle auch du!“

 

29.5.2020






Erinnerung

 

Erschlafft ist mein Schritt.

Leis murmelt der Wald.

Kaum hörbar der Tritt

aus Zeiten uralt.

 

Wo seid ihr geblieben,

ihr Lieben von einst?

Ins Herz mir geschrieben.

Schweig still, wenn du weinst.

 

Kaum hörbar die Tritte.

Ihr geht neben mir,

nehmt mich in die Mitte -

Ach, bleibt doch noch hier!

 

 21.5.2020






Neue Sicht

 

Wie trägst du schwer an deiner Angst,

wenn du bedroht um Frieden bangst,

an deiner Angst durch Ärger, Not,

vor Katastrophen, Bosheit, Tod.

Wir quälen uns mit großen Sorgen

und fragen ängstlich: Was wird morgen?

 

Doch heute ist der Neuanfang,

die Wende: Außen Vogelsang

und innen Stille, Kraft und Mut,

das Urvertrauen: Es wird gut.

Es gibt die Hilfe, die du spürst,

auch für das Leben, das du führst.

 

Schau auf die Liebe, die du kriegst,

durch die du jede Angst besiegst;

auf Liebe, die nicht mal Gefühl,

die Frieden bringt, auch wenn sie kühl;

auf Liebe, die bewusst wir geben.

Sie ist das Wichtigste im Leben.

 

11.5.2020





Das Lied der Nachtigall

 

Voll Sehnsucht singt die Nachtigall.

Ach, flötet sie so süß!

Ich lausche ihrem Widerhall

und träum´ vom Paradies.

 

Vom Paradies der Jugendzeit,

als mich noch Sehnsucht trieb,

als ich zu lieben war bereit.

Allein die Hoffnung blieb.

 

Die Liebe ist im Wind verweht.

Ein´ jede kam zu Fall.

Kein Name mehr am Himmel steht.

Und du singst, Nachtigall!

 

 29.4.2020






Heimat ist

 

Heimat ist,

wenn du vergisst,

wie schwierig leben wirklich ist

und dass du letztlich einsam bist.

 

Heimat ist,

wenn du vergisst,

dass Enge oft belastend ist,

weil du im Schmerz geborgen bist.

 

Heimat ist,

wo du es siehst:

Wie wunderschön die Welt doch ist!

Und du voll Mut und Liebe bist.

 

24.4.2020






Lass fließen

 

Wie schwer das Leben wirklich ist,

erfasst du erst, wenn es dich frisst,

wenn Enge, Schmerz und echte Sorgen

dir drohen: Schau, das ist dein Morgen!

Wenn diese Welt im Grau versinkt

und Zuversicht an Stöcken hinkt.

 

Dann plötzlich trifft in diese Qual

ein klitzekleiner Sonnenstrahl.

Die dunkle Wolke reißt entzwei.

Du atmest durch und fühlst dich frei.

Nun krempelst du so manches um,

sagst dir: Wie war ich vorher dumm!

 

Wie schön das Leben wirklich ist,

das spürst du, wenn du bei dir bist.

Wenn du bei allen Nöten, Pflichten

dich kannst nach deinem Herzen richten

und dich bei allem, was dich stört,

die Einsicht lenkt: Bleib unbeschwert!

 

Denn letztlich kannst du nichts erzwingen.

Du könntest auch bei Frust laut singen.

Du kannst begreifen, Chancen spüren,

erkennen, wo die off´nen Türen.

Du kannst trotz allem froh genießen.

Lass´ Freude, Liebe, Hoffnung fließen!

 

21.4.2020






Frühling

 

Ich atme tief ein, versinke im Grün.

Wie schimmernd die wilden Kirschen schon blühn!

Es singen die Vögel. Sie jubeln ihr Lied.

Ich kann noch nicht fassen, wie mir hier geschieht.

Wie lang war der Winter, wie dunkel und kalt!

Wie tot schien der Wald - wie leblos und alt!

Und jetzt blüht das Leben und jubelt sein Ja!

Ich schaue und staune: Der Frühling ist da.

 

9.4.2020





Der Giraff


Im kalten Wald im Januar

steht ein Giraff und jammert: „Klar -

das Leben fahl, die Bäume kahl,

und in mir brennt – ach, welche Qual –

ein heiß Verlangen nach ner Feinen

mit langem Hals und langen Beinen!“

 

Da meldet eine Kiefer sich:

„Komm, spinn´ nicht rum. Nimm einfach mich!“

Erst hat er sich noch sehr geziert.

Dann hat er sie halt doch verführt.

Er tat sich zärtlich an ihr laben.

Na ja, wer kann schon alles haben?

 

4.4.2020






Corona-Zeit

 

Der Wind dröhnt dumpf

durch kahle Wipfel.

Es ächzt der Wald im Sonnenschein.

Nur Moos grünt stumpf.

Hoch überm Gipfel

kreist eine Krähe winzigklein.

 

Ich lausche bang,

vernehm´ das Knarren.

Wie´s ächzt und stöhnt und kreischend schreit!

Trotz Sturmwindklang

gilt jetzt: verharren.

Die Prüfung heißt: Corona-Zeit.

 

Es jault ein Baum.

Mich packt das Grauen.

Was kommt noch alles auf uns zu?

Doch Frühlingstraum

mahnt hinzuschauen:

Ihr hofft, erkennt und lernt dazu.

 

22.3.2020