Meine neuen Gedichte



Hinfallen

 

Ein Käfer saß auf einer Wiese

des Glaubens, niemand sähe diese.

Da nahte sich im schnellen Flug

Hornisse Horst voll Gier und klug.

„Oh, so ein köstlich großer Brocken,

der könnte meinen Magen locken!“

Doch unser Käfer voll Erfahrung

rief schnell: „Such dir ne andre Nahrung!“

 

Er ließ sich schwups zur Erde fallen.

So konnte Horst ihn nicht mehr krallen.

Der schaute dumm: „Wo isser nur?“

Doch unser Käfer, der blieb stur:

Auch wenn ich sonst der Größte bin,

so macht das Fallen manchmal Sinn.

Hör die Moral von der Geschicht:

Hinfallen ist dein Ende nicht.


20.9.2020





Mein Septembertag

 

Dies ist mein Tag,

wenn sanfte Winde säuseln

und erstes Gelb die grünen Blätter neckt,

wenn Wölkchen zärtlich sich am Himmel kräuseln

und mich des Sommers Ende nicht mehr schreckt.

 

Dies ist mein Tag,

wenn in Septembers Stille

nur noch der Häher warnt und gellt

und tief in mir aus Disziplin und Wille

ein Lächeln steigt zum Abschiedsklang der Welt.

 

Dies ist mein Tag,

wenn ich im frühen Dunkel

versonnen schon in erste Träume tauch,

wenn tröstend mir die ewgen Sternlein funkeln

und ich erkenne: Dies ist Gutes auch.

 

9.9.2020





Leben lebt sich

 

Das Leben lebt sich

ohne mich.

Es schweigt und drängt,

verbreitet sich

Es kämpft und singt,

erfindet sich

ganz neu.

So wäre gern auch ich.

Doch Gras wird Heu.

 

3.9.2020





Die Heide blüht

 

Die Heide blüht.

Und in mir blühen Träume,

dass das geschieht

und ich nicht noch versäume,

was wiegt und zählt:

Zufriedenheit im Leben,

dass mich nichts quält,

dass Liebe ich kann geben,

dass Frieden lacht,

um mich und tief im Innern,

und in der Nacht

die Sterne tröstlich flimmern,

dass satt ich bin,

voll Dank, auch für die Schmerzen,

voll Lebenssinn

und Lächeln tief im Herzen.

 

2.9.2020




Spätsommer

 

Spätsommer duftet

nach Blüten und Stroh,

nach Lust, jetzt zu leben

voll Hoffnung und froh.

 

Spätsommer duftet

nach Dasein im Jetzt,

nach Spaß an der Fülle:

Mit allem vernetzt.

 

Spätsommer duftet

nach Lächeln im Schmerz,

nach tiefem Verstehen

und Frieden im Herz.

 

24.8.2020





Elfen

 

Sie drehen sich biegsam

im flirrenden Licht,

Sie flirten und fächeln.

Ihr Lächeln verspricht.

Dir winken die Elfen?

Mein Herz schier zerbricht.

Ich höre ihr Girren.

Doch ich seh sie nicht.

 

18.8.2020





Hätt ich mal

 

Manchmal steckt man einfach fest.

Es geht nicht vor und nicht zurück.

Du fühlst: Das gibt mir jetzt den Rest.

Wo bleibt denn mein verdientes Glück?

 

Dann merkst du: So ist´s doch bequem,

brauch nicht viel tun – es geht mir gut.

Mein Leben ist doch angenehm.

Brauch keine Flamme, nur die Glut.

 

Dein Alltag bleibt nun ewig so.

Einst bist du alt und fühlst die Qual:

Was wäre, wenn… Wär ich dann froh?

Du seufzt und denkst: Ach, hätt ich mal…

 

14.8.2020





Hitze genießen

 

Die Sonne heizt.

Sie heizt voll Lust und Häme.

Bin eingebeizt

in Schweiß, dass ich mich schäme.

 

Ein Wolf nicht mal

frisst solche Stinkebrocken.

Voll Salz - doch schal -

kann keinen mehr ich locken.

 

Gott sei´s gedankt,

was Jahre endlich schafften:

In mir verlangt

nichts mehr nach Leidenschaften.

 

Die Sonne heizt.

Nicht mäkeln! Nie verdrießen!

Was mich noch reizt,

ist, ALLES zu genießen.

 

12.8.2020





Reife

 

Der Sommer reift

und mit ihm seine Kinder.

Ein Häher keift.

Ich denke schon an Winter.

 

An stille Zeit,

an Einsamkeit und Frieden,

Geborgenheit

und Wege abgeschieden.

 

Ich schau ins Grün

und such doch nur die Farben,

die in mir blühn.

Die sprießen aus den Narben.

 

Mein Tal liegt still.

Es glüht im fahlen Lichtschein.

Was ich einst will?

In mir zu Hause sein.

 

3.8.2020



Das Foto ist nicht von mir. Ich darf es aber benutzen.



Insektensterben

 

Viel Flugverkehr ist grauenhaft.

Ununterbrochen dieses Brummen!

Ich lauf im Wald, bin ganz geschafft.

Um meinen Kopf herum nur Summen -

 

Insektensterben - unbestritten.

Doch hier bei mir, da leben sie.

Sie krabbeln, beißen, stechen mitten

in mein Gesicht. Du blödes Vieh!

 

Ich liebe Tiere – und schlag zu.

Mit Häme quetsche ich sie sacht.

Nur Leichen lassen mich in Ruh.

Insektensterben – hausgemacht.

 

31.7.2020





Einmal…

 

Einmal im Leben ist alles vorbei:

Jugend und Träume, Verliebtsein und Mai.

 

Noch jedoch freut dich das sprießende Grün.

Bunt ist das Herbstlaub und Astern erblühn.

 

Doch irgendwann gehst du der Stille entgegen,

sehnst dich nach Schnee auf verlassenen Wegen.

 

Bist ganz erschöpft von des Lebens Schmerzen,

Kämpfen, Versuchen, willst Frieden im Herzen.


Einmal beginnt deine Seele zu schweben,

freudig und dankbar für all das im Leben.

 

25.7.2020





Angst?

Angst scheint Leben oder Tod -
Ist sie Warnung vor der Not
oder Stillstand und Blockade?
Sich nicht trau´n, ist oftmals schade.
Denken, wägen, klar abschätzen:
Könnte mich etwas verletzen?

Doch wenn nicht, hör auf zu denken,
trau Impulsen, die dich lenken!
 Droht Gefahr, renn weg. Los, renn!
 Sonst jedoch gilt: Yes, I can!

 

18.7.2020





Hexenbesen

 

Tief im Wald ein Hexenbesen –

Ist hier jemand abgestürzt?

Ist eine Hexe hier gewesen?

Ist ihr Leben nun verkürzt?

 

Leben Hexen nicht bekanntlich

ewig weiter – dreist und frei?

Trotz des Pechs vergnügt, so fand ich

ne alte Hexe und noch zwei.

 

Die eine von den andern beiden

war noch neu und wollte mit.

Sie tat die Hexen stets beneiden,

heißt sie doch Rosmarie Schmitt.

 

 Nun lernt sie fliegen ohne Besen

und lachen, dass der Himmel bebt.

Ist niemals derart frei gewesen -

und froh. Von jetzt an wird gelebt!

 

16.7.2020





Im warmen Wald

Im warmen Wald,
wenn milde Winde wehen
und Vögel zwitschern voller Lust ihr Lied,
wenn meine Füße leisen Schrittes gehen,
zieht Sommerfrieden tief im Herzen mit.

Im warmen Wald,
wenn  Sorgen endlich schweigen
und Zuversicht die alten Nöte deckt,
tanzt  wundersam am Bach ein Zauberreigen.
Ihr Elfen, haltet euch nicht mehr versteckt?

Im warmen Wald
geht auch mein Herz auf Reisen,
ist still erfüllt und findet seine Ruh.
Es lauscht verzückt den altvertrauten Weisen
und fliegt im Traum der ew´gen Heimat zu.

4.7.2020






Dümpelnder Sinn

 

Dumpf drückendes Wetter,

dumpf dümpelnder Sinn.

Ich geh durch den Wald,

weiß nicht, wer ich bin.

 

Ich wälze Probleme,

statt Schönes zu fühl´n,

erliege dem Sog,

im Schlechten zu wühl´n.

 

Ich grüble voll Ärger,

bin bös auf die Welt.

Vergesse dabei

die Hand, die mich hält.

 

Ich atme tief durch

und schaue ins Grün.

Wie hübsch sind die Blumen,

die plötzlich erblüh´n!

 

27.6.2020






Gelebter Traum

 

Wie kann dieser Sommer

denn schöner noch sein?

Es zwitschern die Vögel,

bin frei und allein.

 

Es summen die Bienen.

Walderdbeerenduft.

Und weit in der Ferne

der Kuckuck noch ruft.

 

Douglasien verströmen

betörend und süß

den Duft von Orangen

ins Traumparadies.

 

Ich lächle, umarme

den nächstbesten Baum

und träume mein Leben.

Ich leb´ meinen Traum.

 

25.6.2020






Zauberwald

 

Es wispert im Moos

und raschelt im Laub -

Sag, bin ich denn blind,

die Ohren halb taub?

 

Hier kichern doch Zwerglein!

Und Elfen, sie schweben

im Nebel der Wiese!

Verwunschenes Leben.

 

Ich stehe und lausche,

vom Zauber gebannt.

Geheimnis des Waldes,

verzaubertes Land!

 

22.6.2020





Hohle Buche

 

Hohl im Kopf, das bin ich auch.

Die Buche ist´s zudem im Bauch.

Was hilft da Jammern oder Murren?

Das Alter hinterlässt halt Spuren.

Doch strecken wir uns hoch zum Licht.

Die Lebenslust verlässt uns nicht.

 

17.6.2020






Beste Zeit

 

Graues Haar und grauer Sinn.

Du fragst, warum ich glücklich bin?

Mir tut nichts weh, kann laufen, lachen

und lauter schöne Sachen machen.

Genieß den Wald und leckres Essen

und werde nicht vom Wolf gefressen.

Bin Oma zwar, ne alte, zähe,

doch Rotkäppchen in meiner Nähe

erzählt nur dumme, dreiste Lügen!

Damit kann niemand mehr mich kriegen.

Altwerden birgt zwar manches Leid.

Doch jetzt ist meine beste Zeit!

 

13.6.2020





Veränderung

 

Als Kinder war´n wir unbefangen,

voll Übermut und dreist und frei.

Doch die Erkenntnis – schwer wie Blei –

war: Mitgefangen, mitgehangen.

 

Als Alte nun, nach langer Reise,

sind wir voll Umsicht und Bemüh´n.

Wir seh´n am Wege Blumen blüh´n

voll tiefer Freude - und sind weise.

 

11.6.2020








Schafskälte

 

Geschoren ist´s dem Schaf sehr kalt.

Es jammert laut, dass es weit hallt:

Mäh, määäh, ich friere auf der Wiese!

Wieso denn nur ist plötzlich diese

so elend kalt? Ich friere so!

Das hört ein Wolf und flüstert froh:

„Komm her, du liebes, armes Schätzchen,

ich weiß für dich ein warmes Plätzchen!“

Weit reißt er auf den Riesenrachen

und will schon ganze Sache machen.

Doch unser Schaf tut einen Sprung -

es ist zwar kahl, doch sportlich jung –

und springt in seinen Stall hinein.

Noch Türe zu: „Bin doch nicht dein!

Du, falscher Wolf, bist einfach miese!

Viel lieber frier´ ich auf der Wiese!“

Und die Moral von der Geschicht?

Trau süßen Reden niemals nicht!

  

7.6.2020


Die Schafskälte ist ein meteorologisches Phänomen. Es bezeichnet die Zeit Anfang Juni, in der es regelmäßig noch einmal recht kalt wird. Der Begriff kommt daher, dass früher die Schafe Ende Mai/ Anfang Juni geschoren wurden und bei der Schafskälte dann frieren mussten.






Lächelnder Blick

 

Ganz zart kost der Wind

mein silbernes Haar.

Wie leicht Träume sind,

wie klar und wie wahr,

wenn leuchtend sie ziehen

durch Wald und durch Feld,

mit Wolken entfliehen

hinaus aus der Welt.

 

Ganz zart kost der Wind

mein silbernes Haar.

Das Alte zerrinnt,

so gut es auch war.

Das Leben webt weiter.

Es lächelt mir zu,

ermuntert mich heiter:

„Komm, lächle auch du!“

 

29.5.2020






Erinnerung

 

Erschlafft ist mein Schritt.

Leis murmelt der Wald.

Kaum hörbar der Tritt

aus Zeiten uralt.

 

Wo seid ihr geblieben,

ihr Lieben von einst?

Ins Herz mir geschrieben.

Schweig still, wenn du weinst.

 

Kaum hörbar die Tritte.

Ihr geht neben mir,

nehmt mich in die Mitte -

Ach, bleibt doch noch hier!

 

 21.5.2020






Neue Sicht

 

Wie trägst du schwer an deiner Angst,

wenn du bedroht um Frieden bangst,

an deiner Angst durch Ärger, Not,

vor Katastrophen, Bosheit, Tod.

Wir quälen uns mit großen Sorgen

und fragen ängstlich: Was wird morgen?

 

Doch heute ist der Neuanfang,

die Wende: Außen Vogelsang

und innen Stille, Kraft und Mut,

das Urvertrauen: Es wird gut.

Es gibt die Hilfe, die du spürst,

auch für das Leben, das du führst.

 

Schau auf die Liebe, die du kriegst,

durch die du jede Angst besiegst;

auf Liebe, die nicht mal Gefühl,

die Frieden bringt, auch wenn sie kühl;

auf Liebe, die bewusst wir geben.

Sie ist das Wichtigste im Leben.

 

11.5.2020





Das Lied der Nachtigall

 

Voll Sehnsucht singt die Nachtigall.

Ach, flötet sie so süß!

Ich lausche ihrem Widerhall

und träum´ vom Paradies.

 

Vom Paradies der Jugendzeit,

als mich noch Sehnsucht trieb,

als ich zu lieben war bereit.

Allein die Hoffnung blieb.

 

Die Liebe ist im Wind verweht.

Ein´ jede kam zu Fall.

Kein Name mehr am Himmel steht.

Und du singst, Nachtigall!

 

 29.4.2020






Heimat ist

 

Heimat ist,

wenn du vergisst,

wie schwierig leben wirklich ist

und dass du letztlich einsam bist.

 

Heimat ist,

wenn du vergisst,

dass Enge oft belastend ist,

weil du im Schmerz geborgen bist.

 

Heimat ist,

wo du es siehst:

Wie wunderschön die Welt doch ist!

Und du voll Mut und Liebe bist.

 

24.4.2020






Lass fließen

 

Wie schwer das Leben wirklich ist,

erfasst du erst, wenn es dich frisst,

wenn Enge, Schmerz und echte Sorgen

dir drohen: Schau, das ist dein Morgen!

Wenn diese Welt im Grau versinkt

und Zuversicht an Stöcken hinkt.

 

Dann plötzlich trifft in diese Qual

ein klitzekleiner Sonnenstrahl.

Die dunkle Wolke reißt entzwei.

Du atmest durch und fühlst dich frei.

Nun krempelst du so manches um,

sagst dir: Wie war ich vorher dumm!

 

Wie schön das Leben wirklich ist,

das spürst du, wenn du bei dir bist.

Wenn du bei allen Nöten, Pflichten

dich kannst nach deinem Herzen richten

und dich bei allem, was dich stört,

die Einsicht lenkt: Bleib unbeschwert!

 

Denn letztlich kannst du nichts erzwingen.

Du könntest auch bei Frust laut singen.

Du kannst begreifen, Chancen spüren,

erkennen, wo die off´nen Türen.

Du kannst trotz allem froh genießen.

Lass´ Freude, Liebe, Hoffnung fließen!

 

21.4.2020






Frühling

 

Ich atme tief ein, versinke im Grün.

Wie schimmernd die wilden Kirschen schon blühn!

Es singen die Vögel. Sie jubeln ihr Lied.

Ich kann noch nicht fassen, wie mir hier geschieht.

Wie lang war der Winter, wie dunkel und kalt!

Wie tot schien der Wald - wie leblos und alt!

Und jetzt blüht das Leben und jubelt sein Ja!

Ich schaue und staune: Der Frühling ist da.

 

9.4.2020





Der Giraff


Im kalten Wald im Januar

steht ein Giraff und jammert: „Klar -

das Leben fahl, die Bäume kahl,

und in mir brennt – ach, welche Qual –

ein heiß Verlangen nach ner Feinen

mit langem Hals und langen Beinen!“

 

Da meldet eine Kiefer sich:

„Komm, spinn´ nicht rum. Nimm einfach mich!“

Erst hat er sich noch sehr geziert.

Dann hat er sie halt doch verführt.

Er tat sich zärtlich an ihr laben.

Na ja, wer kann schon alles haben?

 

4.4.2020






Corona-Zeit

 

Der Wind dröhnt dumpf

durch kahle Wipfel.

Es ächzt der Wald im Sonnenschein.

Nur Moos grünt stumpf.

Hoch überm Gipfel

kreist eine Krähe winzigklein.

 

Ich lausche bang,

vernehm´ das Knarren.

Wie´s ächzt und stöhnt und kreischend schreit!

Trotz Sturmwindklang

gilt jetzt: verharren.

Die Prüfung heißt: Corona-Zeit.

 

Es jault ein Baum.

Mich packt das Grauen.

Was kommt noch alles auf uns zu?

Doch Frühlingstraum

mahnt hinzuschauen:

Ihr hofft, erkennt und lernt dazu.

 

22.3.2020