Meine neuen Gedichte




Im Dunst

 

Im Dunst verschwimmen Fluss und Bäume.

Der Wald trägt schon sein stilles Kleid.

Und durch die grauen, leeren Räume

fliegt einsam wie durch meine Träume

ein Rabe - jenseits aller Zeit.

 

18.10.2020

 





Herbst

 

Wie leuchtet die Welt!

Sie dreht richtig auf.

Doch ganz heimlich fällt

auch Schwermut darauf.

 

Fallende Blätter,

goldbraun und rot -

verwirbelt im Wetter.

Der Herbstwind, er droht.

 

Er reißt an der Mütze,

peitscht Schauer zu mir.

Mein Weg – eine Pfütze.

Was tue ich hier?

 

Ich spüre das Leben,

durchnässt, auch voll Frust.

Doch in dieses Weben

versink ich bewusst.

 

Da leuchtet die Welt

im Herbstsonnenschein.

Ein Blatt tanzt und fällt.

Es tanzt ganz allein.

 

11.10.2020




Dieser Spruch fiel mir heute in die Hände:

 

Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer.

Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher.


Hermann Kesten

 

 

Moderne Medizin

 

Die Medizin ist ungeheuer

erfolgreich und entwickelt sich.

Sie macht selbst Alte wieder neuer.

Und immer optimiert sie dich.

 

Die Medizin - ein wahrer Segen

aus Pharmazie und Technik-Wohl.

Warum soll ich mich noch bewegen?

Ein Burger schmeckt mir eher als Kohl.

 

Die Medizin – ein Fortschritts-Hort.

Selbst Vater Hein darf nicht mehr kichern.

Mit seiner Sense schlich er fort.

Tja, auch der Tod lebt nicht mehr sicher.

 

24.9.2020





Hinfallen

 

Ein Käfer saß auf einer Wiese

des Glaubens, niemand sähe diese.

Da nahte sich im schnellen Flug

Hornisse Horst voll Gier und klug.

„Oh, so ein köstlich großer Brocken,

der könnte meinen Magen locken!“

Doch unser Käfer voll Erfahrung

rief schnell: „Such dir ne andre Nahrung!“

 

Er ließ sich schwups zur Erde fallen.

So konnte Horst ihn nicht mehr krallen.

Der schaute dumm: „Wo isser nur?“

Doch unser Käfer, der blieb stur:

Auch wenn ich sonst der Größte bin,

so macht das Fallen manchmal Sinn.

Hör die Moral von der Geschicht:

Hinfallen ist dein Ende nicht.


20.9.2020





Mein Septembertag

 

Dies ist mein Tag,

wenn sanfte Winde säuseln

und erstes Gelb die grünen Blätter neckt,

wenn Wölkchen zärtlich sich am Himmel kräuseln

und mich des Sommers Ende nicht mehr schreckt.

 

Dies ist mein Tag,

wenn in Septembers Stille

nur noch der Häher warnt und gellt

und tief in mir aus Disziplin und Wille

ein Lächeln steigt zum Abschiedsklang der Welt.

 

Dies ist mein Tag,

wenn ich im frühen Dunkel

versonnen schon in erste Träume tauch,

wenn tröstend mir die ewgen Sternlein funkeln

und ich erkenne: Dies ist Gutes auch.

 

9.9.2020





Leben lebt sich

 

Das Leben lebt sich

ohne mich.

Es schweigt und drängt,

verbreitet sich

Es kämpft und singt,

erfindet sich

ganz neu.

So wäre gern auch ich.

Doch Gras wird Heu.

 

3.9.2020





Die Heide blüht

 

Die Heide blüht.

Und in mir blühen Träume,

dass das geschieht

und ich nicht noch versäume,

was wiegt und zählt:

Zufriedenheit im Leben,

dass mich nichts quält,

dass Liebe ich kann geben,

dass Frieden lacht,

um mich und tief im Innern,

und in der Nacht

die Sterne tröstlich flimmern,

dass satt ich bin,

voll Dank, auch für die Schmerzen,

voll Lebenssinn

und Lächeln tief im Herzen.

 

2.9.2020




Spätsommer

 

Spätsommer duftet

nach Blüten und Stroh,

nach Lust, jetzt zu leben

voll Hoffnung und froh.

 

Spätsommer duftet

nach Dasein im Jetzt,

nach Spaß an der Fülle:

Mit allem vernetzt.

 

Spätsommer duftet

nach Lächeln im Schmerz,

nach tiefem Verstehen

und Frieden im Herz.

 

24.8.2020





Elfen

 

Sie drehen sich biegsam

im flirrenden Licht,

Sie flirten und fächeln.

Ihr Lächeln verspricht.

Dir winken die Elfen?

Mein Herz schier zerbricht.

Ich höre ihr Girren.

Doch ich seh sie nicht.

 

18.8.2020





Hätt ich mal

 

Manchmal steckt man einfach fest.

Es geht nicht vor und nicht zurück.

Du fühlst: Das gibt mir jetzt den Rest.

Wo bleibt denn mein verdientes Glück?

 

Dann merkst du: So ist´s doch bequem,

brauch nicht viel tun – es geht mir gut.

Mein Leben ist doch angenehm.

Brauch keine Flamme, nur die Glut.

 

Dein Alltag bleibt nun ewig so.

Einst bist du alt und fühlst die Qual:

Was wäre, wenn… Wär ich dann froh?

Du seufzt und denkst: Ach, hätt ich mal…

 

14.8.2020





Hitze genießen

 

Die Sonne heizt.

Sie heizt voll Lust und Häme.

Bin eingebeizt

in Schweiß, dass ich mich schäme.

 

Ein Wolf nicht mal

frisst solche Stinkebrocken.

Voll Salz - doch schal -

kann keinen mehr ich locken.

 

Gott sei´s gedankt,

was Jahre endlich schafften:

In mir verlangt

nichts mehr nach Leidenschaften.

 

Die Sonne heizt.

Nicht mäkeln! Nie verdrießen!

Was mich noch reizt,

ist, ALLES zu genießen.

 

12.8.2020





Reife

 

Der Sommer reift

und mit ihm seine Kinder.

Ein Häher keift.

Ich denke schon an Winter.

 

An stille Zeit,

an Einsamkeit und Frieden,

Geborgenheit

und Wege abgeschieden.

 

Ich schau ins Grün

und such doch nur die Farben,

die in mir blühn.

Die sprießen aus den Narben.

 

Mein Tal liegt still.

Es glüht im fahlen Lichtschein.

Was ich einst will?

In mir zu Hause sein.

 

3.8.2020



Das Foto ist nicht von mir. Ich darf es aber benutzen.



Insektensterben

 

Viel Flugverkehr ist grauenhaft.

Ununterbrochen dieses Brummen!

Ich lauf im Wald, bin ganz geschafft.

Um meinen Kopf herum nur Summen -

 

Insektensterben - unbestritten.

Doch hier bei mir, da leben sie.

Sie krabbeln, beißen, stechen mitten

in mein Gesicht. Du blödes Vieh!

 

Ich liebe Tiere – und schlag zu.

Mit Häme quetsche ich sie sacht.

Nur Leichen lassen mich in Ruh.

Insektensterben – hausgemacht.

 

31.7.2020





Einmal…

 

Einmal im Leben ist alles vorbei:

Jugend und Träume, Verliebtsein und Mai.

 

Noch jedoch freut dich das sprießende Grün.

Bunt ist das Herbstlaub und Astern erblühn.

 

Doch irgendwann gehst du der Stille entgegen,

sehnst dich nach Schnee auf verlassenen Wegen.

 

Bist ganz erschöpft von des Lebens Schmerzen,

Kämpfen, Versuchen, willst Frieden im Herzen.


Einmal beginnt deine Seele zu schweben,

freudig und dankbar für all das im Leben.

 

25.7.2020





Angst?

Angst scheint Leben oder Tod -
Ist sie Warnung vor der Not
oder Stillstand und Blockade?
Sich nicht trau´n, ist oftmals schade.
Denken, wägen, klar abschätzen:
Könnte mich etwas verletzen?

Doch wenn nicht, hör auf zu denken,
trau Impulsen, die dich lenken!
 Droht Gefahr, renn weg. Los, renn!
 Sonst jedoch gilt: Yes, I can!

 

18.7.2020





Hexenbesen

 

Tief im Wald ein Hexenbesen –

Ist hier jemand abgestürzt?

Ist eine Hexe hier gewesen?

Ist ihr Leben nun verkürzt?

 

Leben Hexen nicht bekanntlich

ewig weiter – dreist und frei?

Trotz des Pechs vergnügt, so fand ich

ne alte Hexe und noch zwei.

 

Die eine von den andern beiden

war noch neu und wollte mit.

Sie tat die Hexen stets beneiden,

heißt sie doch Rosmarie Schmitt.

 

 Nun lernt sie fliegen ohne Besen

und lachen, dass der Himmel bebt.

Ist niemals derart frei gewesen -

und froh. Von jetzt an wird gelebt!

 

16.7.2020





Im warmen Wald

Im warmen Wald,
wenn milde Winde wehen
und Vögel zwitschern voller Lust ihr Lied,
wenn meine Füße leisen Schrittes gehen,
zieht Sommerfrieden tief im Herzen mit.

Im warmen Wald,
wenn  Sorgen endlich schweigen
und Zuversicht die alten Nöte deckt,
tanzt  wundersam am Bach ein Zauberreigen.
Ihr Elfen, haltet euch nicht mehr versteckt?

Im warmen Wald
geht auch mein Herz auf Reisen,
ist still erfüllt und findet seine Ruh.
Es lauscht verzückt den altvertrauten Weisen
und fliegt im Traum der ew´gen Heimat zu.

4.7.2020






Dümpelnder Sinn

 

Dumpf drückendes Wetter,

dumpf dümpelnder Sinn.

Ich geh durch den Wald,

weiß nicht, wer ich bin.

 

Ich wälze Probleme,

statt Schönes zu fühl´n,

erliege dem Sog,

im Schlechten zu wühl´n.

 

Ich grüble voll Ärger,

bin bös auf die Welt.

Vergesse dabei

die Hand, die mich hält.

 

Ich atme tief durch

und schaue ins Grün.

Wie hübsch sind die Blumen,

die plötzlich erblüh´n!

 

27.6.2020






Gelebter Traum

 

Wie kann dieser Sommer

denn schöner noch sein?

Es zwitschern die Vögel,

bin frei und allein.

 

Es summen die Bienen.

Walderdbeerenduft.

Und weit in der Ferne

der Kuckuck noch ruft.

 

Douglasien verströmen

betörend und süß

den Duft von Orangen

ins Traumparadies.

 

Ich lächle, umarme

den nächstbesten Baum

und träume mein Leben.

Ich leb´ meinen Traum.

 

25.6.2020






Zauberwald

 

Es wispert im Moos

und raschelt im Laub -

Sag, bin ich denn blind,

die Ohren halb taub?

 

Hier kichern doch Zwerglein!

Und Elfen, sie schweben

im Nebel der Wiese!

Verwunschenes Leben.

 

Ich stehe und lausche,

vom Zauber gebannt.

Geheimnis des Waldes,

verzaubertes Land!

 

22.6.2020