Meine neuen Gedichte




Lebenskraft

 

Sie schleppt den Bauch mit sich herum.

Nicht ein Kind, -zig? Ach, sei es drum!

Sie fühlt sich schwer und unbeweglich.

Die Last drückt ständig – fast unsäglich.

Sie weiß: Lang ist es nicht mehr hin.

Sie lebt für diesen Lebenssinn.

Mit Mühen faltet sie die Hände:

Ach, wär die Last doch schon zu Ende!

Auch hofft sie auf des Schicksals Güte,

auf dass es ihre Kinder hüte.

Danach verebbt ihr Lebenssinn.

Sie nimmt es gottergeben hin.

Denn alles endet gnadenlos.

Das Leben selbst bleibt stark und groß.

 

 11.10.2019



Die Gottesanbeterin ist eine sehr große, seltene Fangschrecke. Sie hat sich vom warmen Mittelmeerraum aus nach Norden verbreitet.

In Deutschland kommt sie auf verschiedenen Wärmeinseln vor, auch in Rheinland-Pfalz. Sie wurde inzwischen sogar im Sauertal bei Ludwigswinkel und Fischbach gefunden.

Oft verharrt sie regungslos lauernd zwischen Halmen, um sich dann blitzschnell ein unvorsichtiges Insekt zu greifen und zu verspeisen.

Bei der Paarung muss das Männchen aufpassen, nicht auch zur Beute des größeren Weibchens zu werden.

 



Regen

 

Es regnet, regnet endlich wieder.

Der nasse Wald singt Regenlieder.

Er platscht und tratscht und tropft versonnen.

Der Boden quatscht vor Regenwonnen.

Ich spür´ die Bäume endlos trinken

und meinen Schuh im Schlamm versinken.

Verflixt, ich tret´ in eine Pfütze!

Das Wasser spritzt mir bis zur Mütze.

Ach, Regen ist gesund und frisch!

Doch bin ich Mensch – nur ungern Fisch.

 

6.10.2019






Wo Gnome wohnen tief im Wald,

wo ihre Lieder fröhlich klingen,

da kichern Zwerge, keck und alt.

Sie wollen mich zum Singen bringen.

Doch kaum erklingt mein erster Ton,

sind alle weg… Ich ahnt´ es schon.

 

 30.9.2019



 



Die Burg

 

Bin eine Burg, im Kampf gereift,

in tausend Jahren fast geschleift.

Erlebte alles, auch viel Frust

und immer neue Kampfeslust.

Ich brannte hell und mir war kalt.

Will jetzt nur Ruhe, bin nun alt.

 

Doch nachts, bei Mondlicht im Gemäuer,

da huscht und tappt es nicht geheuer.

Da stöhnt und jammert es noch leise.

Und schaurig tönt die alte Weise

von Kampf, Verrat und Machtgelüsten,

als wenn die Geister kämpfen müssten.

 

Doch wird es Tag, ist es vorbei.

Die Burg im Licht steht hell und frei.

Die Nachtgespenster sind verschwunden.

Die Burg hat Frieden nun gefunden.

Ich liege leuchtend in der Sonne,

bin voller Gleichmut, Kraft und Wonne.



28.9.2019






Singen gegen die Angst

 

Ich starre im Dunkeln

auf das, was mich schreckt.

auf etwas, was panische Angst in mir weckt.

Doch oben das Funkeln,

das sehe ich nicht.

Und dennoch blinkt leuchtend das Sternenlicht.

 

Ich schließe die Augen,

schau innen ins Licht.

Ich ändre den Fokus und kläre die Sicht.

Nur Mut kann hier taugen,

nicht Zimperlichkeit.

Nur stilles Vertrauen trägt mich durch die Zeit.

 

Ich singe erst leise,

dann zunehmend laut.

Ich singe das Lied, das mir so vertraut.

Ich singe Beweise

für Kraft und für Mut.

Auch dies steh ich durch - und auch dieses wird gut.

 

22.9.2019


 



Am Rand

von Raum und Zeit

 

Stille, Stille –

Nur leise tickt die Zeit.

Ich atme tief,

entlasse Frust und Leid

und tauche ein

in wundersame Welten.

Hier will ich sein,

hier, wo noch Träume gelten.

Stille, Stille –

Mein Herz wird frei und weit.

Bin hier im Land

am Rand von Raum und Zeit.

 

17.9.2019






Neuer Morgen

 

Ein Sonnenstrahl,

ein neuer Morgen.

Ein Hauch von Güte,

von geborgen.

 

Bin voller Dank,

voll tiefem Staunen.

Was mögen mir

die Bäume raunen?

 

Sie raunen leise:

Hab nur Mut!

Vertrau dem Leben.

Es ist gut!

 

14.9.2019





Herbstlied

 

Still singen die Wälder

ihr ewiges Lied.

Durch leere Felder

die Sehnsucht zieht.

 

Hier pulste das Leben.

Hier blühte der Mai.

Mit leisem Beben

begreif ich: Vorbei!

 

Es fallen die Blätter.

Es gibt kein Zurück. 

Doch goldenes Wetter

ist auch ein Stück Glück.

 

So lange noch Freude

im Herzen mir blüht,

zählt noch das Heute.

Ich singe mein Lied.

 

10.9.2019





Akzeptanz ist der Schlüssel zur Freiheit.

(Katy Perry)

 

Das klingt sehr klug für alle andern.

Doch für mich selbst ist es nicht leicht,

wenn Schmerz und Schwere mich beim Wandern

behindern. Wenn das Glück nicht reicht.

 

Wenn Herzenswünsche sind nur Qual,

weil einfach ihre Zeit vorbei.

Ach was, ich habe keine Wahl!

Für mich ist Glück, dass ich bin frei.

 

Es bleibt so viel, was ich erlebe,

so vieles, was noch Freude schenkt,

was ich bekomme und auch gebe.

Bin frei. Mein Glück bleibt unbeschränkt.

 

6.9.2019




Nicht gekriegt

 

Ich wünsch mir manchmal was von Herzen

und krieg es nicht. Oh, welche Schmerzen!

Was für ein schlimmes Missgeschick!

Doch dann, nach manch frustriertem Jahr,

erkenn ich plötzlich klar und wahr:

Mein Missgeschick war pures Glück!

 

2.9.2019






Für Pharen

 

Die weiße Frau vom Berwartstein

 

Schaust du des Nachts durch seine Fenster,

so schaudert es dich manches Mal.

Da geistern bleiche Nachtgespenster.

Der Mond verkriecht sich blass und fahl.

 

Ein Käuzchen ruft. Ein Vorhang weht.

Die weiße Frau schwebt um den Turm.

Doch so ein Pech: Die Turmuhr steht!

Nichts schlägt die Zeit. Es jault der Sturm.

 

Die weiße Frau schwebt durch den Flur.

Dort scheint die Sonne hell und klar!

Bei Licht wird sie zur Steinfigur,

noch immer weiß, mit weißem Haar.

 

Ob das wohl deine Oma war?

 

1.9.2019